Technologies

Technologien zur Einbindung der Zuschauer@Home

Die Bereitstellung von Audiotechnik und -signalen für von zu Hause eingebundene Zuschauer erfordert besondere Aufmerksamkeit. So darf dem Zuschauer, der in eine Sendung per Bild und Ton zugeschaltet wird, nicht einfach der komplette Audio-Mix oder der Sendeton aus dem Studio übertragen werden, da er durch die technisch bedingten verzögerte Übermittlung sonst sich selbst als Echo hört, was eine halbwegs flüssige Kommunikation unmöglich macht. Ungeeignet ist auch das heimische TV-Gerät als Rückkanal, wenn der Zuschauer über das Mikrofon seiner Webcam via Internet ins Studio gelangt und die Antwort des Moderators über die ausgestrahlte Sendung hört – und  sich selbst zeitlich versetzt ein zweites Mal. Das verursacht möglicherweise Rückkopplungen. Wer erinnert sich nicht, während einer Live-Sendung schon einmal die Anweisung eines Moderators an einen Zuschauer am Telefon gehört zu haben „Können Sie Ihr Fernsehgerät bitte leiser stellen?“ Zudem sollen die Systeme im Aufzeichnungsbetrieb eingesetzt werden, da käme diese „Option“ ohnehin nicht in Frage.

Die Übertragungszeiten des Programms über Kabel oder Satellit oder auch IP-TV sind mit Latenzen von bis zu mehreren Sekunden behaftet. Man darf nicht vergessen: Moderator im Studio und Zuschauer@Home haben keinen Sichtkontakt wie in einem echten Gespräch, es fehlt also die auf Gefühlsebene stattfindende Abstimmung, wann der eine ausgesprochen hat, und der andere erwidern kann – die Signale unterliegen einer optischen und akustischen Zeitverzögerung. Dies muss Moderatoren vor einer Produktion bewusst gemacht werden und auch den Teilnehmern, die man von zu Hause einbinden will. Die Schalten müssen geprobt werden, wie alle anderen Abläufe während einer Produktion auch.

 

Broadcast-Lösung: SNG [Bereitstellung Studio-Dienstleister]
Beste Video- und Audioqualität liefert eine SNG [Satelliten-Upload vor Ort] beim Zuschauer/Gast mit Video- und Audio-Rückkanal. Bei der Live-Sendung von Verstehen Sie Spass im April 2020 konnte von einigen Prominenten Dank bei ihnen vor Ort installierter SNG eine exzellente Bild- und Tonqualität im Studio empfangen werden.

Vorteile: Bild- und Tonqualität
Nachteile: Kosten

 

Webbasierende Lösungen: TVU Network, Make.TV, Skype TX, Quicklink, vMix, Cliparts TVShowStage

Um es vorweg zu nehmen: das A und O ist die Qualität der Internetverbindung. Sowohl auf der Broadcast-Seite als auch beim Zuschauer/Teilnehmer zu Hause ist während der gesamten Übertragung konstant eine entsprechende Bandbreite zu gewährleisten. Man muss sich bewußt sein, dass der Erfolg mit diesem Flaschenhals steht und fällt.  So ist beispielsweise für Spielshows im Vorfeld zu klären, ob die Übertragungskapazität der Leitung auf Seiten des Broadcasters ausreicht. Ist dies nicht der Fall, muss Bereitschaft bestehen, Bruchteile des ansonsten für Anreise und Unterbringung von Kandidaten in die Hand genommenen Etats in eine professionelle, tv-broadcastwürdige Leitung zu investieren. Aber auch auf der Seite der Kandidaten@Home müssen die Parameter der vorhandenen Inernetverbindung ermittelt und im Vorfeld getestet werden.

Die webbbasierende Software-Lösungen von TVU Networks, Make.TV, vMix, Quicklink u.a. sehen sich zum einen als Alternative zu oder als Professionalisierung von einfachen, skype-basierenden Lösungen. Andererseits bieten sie zusätzlich zur Möglichkeit, Video/Audio vom Zuschauer@Home ins Studio zu bringen und ihm einen Rückkanal zur Verfügung zu stellen, zahlreiche Apps, um Video-Uploads zu sichten, zu editieren und zu steuern. All das von einem oder mehreren Arbeitsplätzen aus, die sich nicht im Studio oder der Regie befinden müssen. Das Portfolio umfasst reine Software-Lösungen, bei denen sich der Zuschauer@Home mittels Link, Account oder App entweder direkt [peer to peer] oder über einen Server mit dem Anbieter verbindet [ähnlich Skype] bis hin zu cloudbasierenden Lösungen.

Den Unterschied zwischen cloudbasierender und direkter Verlinkung kann man sich vereinfacht so vorstellen: Ich beauftrage einen Gärtner [den Dienstleister], meinen Garten zu wässern. Das Wasser steht für meinen Videostream, die Pflanzen für die Zuschauer, also die Empfänger meiner Daten. Entweder giesst der Gärtner direkt mit dem Gartenschlauch eine oder mehrere Pflanzen zugleich [direkte Verbindung], oder füllt das Wasser erst in eine Giesskanne, um entweder sofort oder aber später und auch an anderen Stellen die Pflanzen zu wässern [Cloud-Modell].

Das Studio verbindet sich bei allen Systemen entweder softwarebasierend über einen entsprechenden Rechner oder über zusätzliche, spezielle Hardware mit dem Zuschauer@Home . Die höchsten Ausbaustufe ist die, dass  auch dem Zuschauer@Home Technik bereitgestellt wird [von Kamera/Mikrofon über Licht, Streamingtechnik unabhängig von seinem DSL-Anschluss, Interaktionstechnik, bis hin zu Personal].

Der Einsatz von spezieller Hardware für das Streamen vermindert die Verzögerungen, mit der Video und Audio vom Standort zu Hause ins Studio und zurück gelangen.

Bei fast allen Übertragungen ist wichtig, dass bei schlechten Übertragungsbedingungen zunächst die Videoqualität herabgesetzt werden sollte, um die Verbindung zu erhalten, das Audio darf erst im letzten Schritt wegbrechen. Eine überraschende Tatsache für Fernsehmacher – doch was bringt ein Interview mit guter Bildqualität, aber ohne Ton? Ein Standbild, bei dem der Gesprächspartner weiterhin zu hören ist, ist vorrangig.

TVU Networks
Die Technologie von TVU Networks bietet neben der Möglichkeit, als Zuschauer Video/Audio in die Regie zu streamen und einen Rückkanal zu empfangen auch die Option, Kameramänner vor Ort mit einem kompletten Übertragungs-Kit auszustatten: die Kamerabilder werden mittels in einem Spezial-Rucksack mitgeführter Technik in Datenstreams gewandelt, die sodann über mehrere Daten-Smartphones [ebenfalls Bestandteil der Ausrüstung] direkt in die Cloud gestreamt werden, aus der sie z.B. eine Regie wieder downloaden kann. Einige Folgen der Comedy NightWash für den WDR/Comedy Central wurden u.a. damit produziert.

Nicht unbedeutende Einschränkung für uns als Dienstleister ist, dass TVU Networks für den jeweiligen Anwendungsfall selbst individuelle Apps und Konfigurationen erstellt, ohne die nicht gearbeitet werden kann. Dies bedeutet einen höheren Kosten- und Zeitaufwand und schränkt möglicherweise die Realisierung kurzfristiger Lösungen ein.

Vorteile: Audio/Videoqualität nur durch das vom Kameramann eingesetzte Kamera-/Audio-Equipment limitiert
Übertragung der Streams unabhängig von vor Ort verfügbarer und nicht beeinflussbarer Infrastruktur
[z.B. privater DSL-Haushaltsanschluss mit geringer oder schwankender Übertragungsrate]
Nachteile: für Livebetrieb mit Interaktionen weniger geeignet, da cloudbedingt Latenzen
zusätzliche Kosten für Gerätemiete
umfangreiches Tool, für manche kurzfristige Anwendung möglicherweise zu
unflexibel und zu kostenaufwändig

 

Make.TV
Der SWR setzte Make.TV, das vom Portfolio her TVU Networks nicht unähnlich ist, unter anderem für Livestreaming auf Facebook bereits während der Fußball WM 2018 in Russland ein.

Skype bzw. Skype TX
Die meisten Schalten werden zurzeit mit Skype realisiert. Vorteile sind die Verfügbarkeit auf fast jedem Smartphone, Tablet oder Rechner und die relativ leichte Installation und Einwahl. Man erkennt die Verbindungen in Live-Sendungen schnell an den Skype-typischen Icons und vor allem an den Nachteilen dieses Massenprodukts. Skype TX ist die professionellere Version, die im Gegensatz zu Skype bessere Features [z.B. Unterdrückung von Anrufen während einer Schalte, Wegfall der Icons der Skype-Bedienoberfläche]. Dennoch: Der Preis für die einfache und kostenlose Handhabung ist die nicht kontrollierbare Bandbreite, d.h. oft ruckelnde, schlierige Bilder, Videostreams mit starken Artefakten, Wegbrechen des Tons. Als schnelle Lösung geeignet, aber nicht für Talk oder Show mit Anspruch.

Quicklink
Quicklink bietet eine breite Palette an Möglichkeiten, Zuschauer einzubinden. Zum einen wie NewTek über Skype TX. Quicklink stellt hierzu – wie NewTek – Hardware zur Verfügung, die bis zu vier Skype-Anrufer gleichzeitig in einer Warteschlange halten und bei Bedarf als HD-SDI-Signal ins Studio durchstellen kann. Studioseitig stellt also nicht ein Rechner die Skype-Verbindung nach Hause her, sondern diese Hardware, die im Studio von einem Rechner gesteuert wird, den ein Operator und/oder Redakteur bedient.

Ähnlich wie TVU Networks bietet auch Quicklink mit ihrem „Studio in a Box“  eine zusätzliche Lösung, mit fernsteuerbarer Studiotechnik vor Ort Bilder in die Regie zu streamen, mit vom Studio aus steuerbarer Kamera, optional sogar Ausleuchtung und vieles mehr.

Quicklink bietet darüber hinaus direkte Verbindungen mit eigenen Servern, die angemietet oder erworben werden können, mit Anbindung an eine eigene Serverstruktur. Das System bietet den Vorteil einer Übertragung mit hoher Bandbreite [Übertragungsqualität] bei möglichst geringen Latenzen, also genau das, was alle wollen.

Es gibt highendige Dienstleister, die auf Basis dieser Technologie Leistungen anbieten und sie mit professionellem Video- und Audio-Equipment ergänzen, was das Budget vieler Produktion überschreiten dürfte und zudem nicht den Leistungsumfang unseres Systems bietet. Dennoch bieten wir auch hierzu Schnittstellen und ergänzen diese Systeme mit unseren Features.

Cliparts TV-ShowStage
Den Mittelweg zwischen all den aufgezeigten Ansätzen bietet die von uns entwickelte und favorisierte Lösung, die auf vMix gründet. Sie ist softwarebasierend, benötigt hochwertige Workstations, eine schnelle Internetanbindung und basiert auf unserer Entwicklungsumgebung, die wir 1000fach erprobt für unsere klassische Spieletechnik einsetzen. Der Kompromiss aus Übertragungsqualität und Kosten. Detaillierte Einzelheiten und die Vorstellung der Cliparts ShowActors finden Sie unter Products. Dieser Bereich ist geschützt –  fragen Sie uns einfach nach dem Passwort.